Weniger Konflikte durch gewaltfreie Kommunikation

10.02.2026

 

Die Festtage sind vorbei. Über die Weihnachtszeit waren wir mit Freund*innen, mit der Familie und mit unseren Partner*innen länger und intensiver zusammen als im Alltag üblich. So wird es vermutlich auch mehr knifflige Situationen gegeben haben. 

Wir haben uns an gewissen Aussagen oder Eigenarten gestört.
Wir haben unterschiedliche Meinungen zum politischen Tagesgeschehen, sind uns nicht einig gewesen über die Silvesterfeier.
Wir wurden kritisiert oder haben unsere*n Liebste*n kritisiert. 

Schnell können sich in solchen Situationen die Gemüter erhitzen und es entstehen Konflikte. Dass dies nicht unbedingt sein muss, möchten wir gerne aufzeigen. Wie kann konstruktive Kommunikation auch in solchen Situationen gelingen?

Gewaltfreie Kommunikation

Das Konzept der gewaltfreien Kommunikation gibt uns dafür ein wunderbares Instrument in die Hand. Der Ansatz wurde von Marshall B. Rosenberg entwickelt und zielt darauf ab, Gespräche respektvoll, klar und empathisch zu gestalten. Die gewaltfreie Kommunikation hilft dabei, Missverständnisse und Konflikte zu vermeiden oder konstruktiv zu lösen, ohne Vorwürfe, Kritik oder Schuldzuweisungen. Stattdessen richtet sich der Fokus darauf, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse bewusst wahrzunehmen und diese offen zu kommunizieren. Ebenso wichtig ist das einfühlsame Zuhören, um die Bedürfnisse des Gegenübers besser zu verstehen.

Das zentrale Element der gewaltfreien Kommunikation sind vier Schritte: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte.

1) Zunächst wird eine Situation möglichst sachlich beschrieben, ohne sie zu bewerten. 

2) Danach werden die eigenen Gefühle benannt, die durch diese Situation ausgelöst werden. 

3) Anschliessend wird deutlich gemacht, welches Bedürfnis dahintersteht. 

4) Abschliessend folgt eine konkrete, respektvolle Bitte. 

 

Machen wir ein Beispiel, das viele kennen dürften...

 

Angenommen, ein Partner kommt häufig zu spät nach Hause, obwohl eine gemeinsame Verabredung geplant war. Das kann zu Frust und Streit führen. In der gewaltfreien Kommunikation würde das Gespräch jedoch anders aufgebaut sein.

Statt vorwurfsvoll zu sagen:

 

«Du kommst schon wieder zu spät, dir ist unsere Beziehung offenbar nicht wichtig!»

 

könnte man gewaltfrei formulieren:

 

«Mir ist aufgefallen, dass du in den letzten Wochen öfter später nach Hause gekommen bist als vereinbart. Ich fühle mich dann enttäuscht und traurig, weil mir gemeinsame Zeit und Verlässlichkeit sehr wichtig sind. Ich wünsche mir, dass du mir rechtzeitig Bescheid gibst oder wir unsere Zeiten realistischer planen. Wäre das für dich machbar?»

Dieses Beispiel zeigt, wie Gefühle und Bedürfnisse offen angesprochen werden, ohne den Partner anzugreifen. So entsteht eher ein verständnisvolles Gespräch, in dem beide Seiten ihre Perspektiven teilen und gemeinsam nach Lösungen suchen können.

 

Wir wünschen Ihnen viel Mut und Experimentierfreude beim Üben und Ausprobieren.

 

eff-zett, das fachzentrum - Einzel-, Paar und Familienberatung

Micha Vollmeier und Edith Gassmann